Der Friseurbranche in Deutschland steht vor einem strukturellen Wandel, geprägt von geringer wirtschaftlicher Stabilität, Überalterung und Nachwuchsmangel. Ein maßgeblicher Anteil der Betriebe erzielt sehr geringe Umsätze, während die Zahl der Soloselbständigen steigt und junge Unternehmer kaum nachrücken. Gleichzeitig führt eine hohe Abbruchquote in der Ausbildung zu einem jährlichen Fachkräftedefizit von mehreren tausend Personen, was langfristig die Existenz des Handwerks gefährdet.
Zukünftig wird der klassische Friseurberuf nicht verschwinden, sondern sich stark transformieren. Erwartet wird eine Aufteilung in spezialisierte Tätigkeitsfelder, darunter technologiegestütztes Arbeiten (z. B. KI-gestützte Haarschnitte), ganzheitliche Style- und Imageberatung, Self-Service-Konzepte mit Expertenunterstützung, medizinisch orientierte Haar- und Kopfhautspezialisierungen sowie kreative Premium-Dienstleistungen.
Der Fokus verschiebt sich damit von der reinen Ausführung handwerklicher Tätigkeiten hin zur Kombination aus Beratung, Technologieeinsatz, Spezialisierung und individueller Gestaltung von Erscheinungsbildern.
Guten Tag @all ,
Gern heute mal ein Paar Infos zu unserem Community-Stand selbst und den Skills der Community …
In den vorhergehenden Posts habe ich noch mal den aktuellen Stand des Friseurwesens zusammengetragen. Hier ist abzusehen, dass sich die Entwicklung seit der C-Zeit kontinuierlich fortsetzt. Viel neue Einflüsse gibt es nicht:
- Betriebe neigen zur Spezialisierung oder fluktuieren (schieden durch Rente & Alter aus).
- Betriebe verkapsulieren sich und agieren vorwiegend über die Schattenwirtschaft.
- Die Zahl der Solobetriebe nimmt stetig zu, da dies der ad hoc stabilste, wirtschaftlichste und unanfälligste Zustand für einen Friseur ist.
Wie steht es denn um Parameter, die im spezielle zukunftsweisend für eine Branche sein können?
- Umsatzvolumen: Mehr als 25% der betriebe agieren mit einem Umsatz von weniger als 22K pro Jahr. Das sind keine 2000 Euro Umsatz pro Monat. Ergo: Mehr als 1/3 der Branche ist realselbständig gar nicht lebensfähig – es handelt sich vielmehr um Liebhaberei, die eigentliche Versorgung erfolgt anders (z.B. durch den Ehepartner oder ähnliches).
- Junge Selbständige: Etwa 3%-6% aller selbständigen Friseure in Deutschland sind unter 30 Jahre. Ca. 75% aller selbständigen Friseure sind über 40 Jahre alt – tatsächlich “tummeln”” sich die meisten selbständigen Friseure in einem Alter von 45-64 Jahre. Ergo: Die Branche ist nicht durch selbständigen nachwuchs geprägt sondern durch eine Friseur-Veteran-Generation, die die Branche repräsentiert.
- Ausbildung: Seit der C-zeit werden jährlich ca. 6700 Ausbildungsverträge im Friseurwesen abgeschlossen. Das sind 8% auf die Gesamtzahl der Betriebe. dazu kommt, dass nur 40-50% den beruf dann tatsächlich repräsentativ ausüben – die Abbruchrate kratzt an die 50% Marke.
- Fluktuation: Nehmen wir an:
- ca. 180.000–250.000 Beschäftigte im Friseurhandwerk
- durchschnittliche Berufszeit: ~30–35 Jahre
- Jährliches Defizit: ~3.000–4.000 Personen – somit, und das ist sehr optimistisch betrachtet: 60–70 Jahre bis zum Kollaps – also 1 Generationsdasein.
Ergo: Wir haben noch eine komplette Generation Zeit, bis das Handwerk als organisiertes Handwerk als Ausbildungsberuf ausstirbt.
Was könnte kommen?
Ein kompletter Ersatz für Friseure wird es nicht in einem Schritt geben, sondern eher mehrere neue Tätigkeitsfelder, die Teile des Berufs übernehmen oder verändern.
Realistischsten „Nachfolger“ oder Evolutionsformen:
1. High-Tech Grooming (Tech-Friseur)
👉 Mischung aus Friseur + Technologiebediener – KI analysiert Gesichtsform, Haarstruktur, Trends – Maschinen schneiden Haare halbautomatisch – Kunden wählen Styles per App/AR
Neue Tätigkeit:
- Roboterwartung im Friseurwesen
- Beratung statt reinem Handwerk
2. Persönliche Style- & Imageberater
👉 Friseur wird zum ganzheitlichen Erscheinungs-Coach
Der Fokus verschiebt sich von „Haare schneiden“ → „Erscheinung gestalten“. Der “Friseur wird ein Styling-Berater und kombiniert Frisur, Kleidung, Auftreten
Neue Tätigkeit:
- Persönlicher Style-Coach
- Beratung (Karriere, Dating, Social Media Präsenz)
3. Self-Service mit Experten-Support
👉 Friseur wird zum Trainer / Plattformanbieter
Kunden schneiden/rasieren sich häufiger selbst – der Friseur unterstützt durch Tutorials (AR-Spiegel), smarte Geräte, u.v.m..
Neue Tätigkeit:
- Trainer / Content Creator
- Betreiber von Self-Service-Salons
- Verkauf von Tools & Produkten
4. Haar- und Kopfhaut-Spezialisten
👉 Übergang Richtung medizinisch-kosmetische Berufe
Hier liegt der Fokus auf Haargesundheit, Hautgesundheit – im Speziellen auch Haarausfall
Neue Tätigkeit:
- Hair Health Specialist
- Trichologie (Haarwissenschaft)
- Nähe zu Dermatologie
5. Kreativ- / Premium-Stylisten
👉 Friseure verschwinden nicht – sie werden luxuriöser
Was passiert:
- Standard-Haarschnitt = automatisiert/günstig
- Premium bleibt menschlich
Hier spielt der Premium und High-End Stylist – Künstler für individuelle Looks. die neue Trends kreieren.
✅ Entwicklung wie bei:
- Fotografie (Smartphone vs. Profi)
- Kochen (Fast Food vs. Sternekoch
Fazit:
👉 Der „Friseur“ wird nicht abgeschafft. Seine Basis findet sich in neu entstehenden oder bereist manifestierten Spezialisierungen wieder:
- Technikgestützte Dienstleister
- Berater / Stylisten
- Gesundheits- & Pflegeexperten
- Premium-Kreativberufe
Der Zukunftsberuf ist nicht mehr „Haare schneiden“, sondern Aussehen gestalten + Technik bedienen.